MEIN WEG

Eine Frage,
die mich nie
losgelassen hat.

Was als Frage eines kleinen Jungen begann,
begleitet mich bis heute.

FAST SECHS JAHRZEHNTE

Mein Weg durch eine Zeit
großer Veränderungen.

Vieles von dem, was mich heute beschäftigt, hat seinen Ursprung in Erfahrungen und Fragen, die mich seit meiner Kindheit begleiten. Persönliche Entwicklung und gesellschaftlicher Wandel waren dabei für mich nie wirklich voneinander zu trennen.

1966
1966 Wo alles beginnt

Ich wurde 1966 geboren und wuchs in einer Umgebung auf, in der Natur und das unmittelbare Leben ganz selbstverständlich zu meinem Alltag gehörten. Als Kind hatte ich noch dieses einfache Gefühl von Verbundenheit, ohne dafür Worte zu brauchen.

Dann sah ich in der Fernsehzeitschrift meiner Eltern Bilder von hungernden Menschen in Afrika. Diese Bilder erschütterten mich. Ich konnte nicht verstehen, warum manche Menschen im Überfluss leben, während andere nicht einmal genug zu essen haben.

Warum schaffen wir es nicht, eine Welt zu gestalten, in der es allen Menschen und Lebewesen hier auf der Erde gut gehen kann?

Als Junge konnte ich darauf natürlich keine Antwort finden. Aber ich nahm mir vor, irgendwann selbst etwas dazu beizutragen.

ERFAHRUNG Aus der Vergangenheit lernen

Meine Kindheit und Jugend fielen in eine Zeit, in der die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs noch sehr präsent waren. In der Schule sahen wir Filme über den Holocaust, und durch die Gespräche mit meiner Mutter bekam diese Vergangenheit für mich zusätzlich eine persönliche Dimension.

Gleichzeitig vermittelte mir diese Zeit die Hoffnung, dass Menschen und Gesellschaften aus ihren Fehlern lernen können. Deutschland hatte nach dem Krieg mit Unterstützung anderer Länder einen neuen Weg eingeschlagen. Demokratie, Frieden, Verständigung und Zusammenarbeit waren keine Selbstverständlichkeit.

Menschen wie Karlheinz Böhm beeindruckten mich tief. Sein Engagement zeigte mir früh:

Ein einzelner Mensch kann vielleicht nicht alles verändern. Aber er kann anfangen – und dadurch sehr viel bewegen.
AUFBRUCH Eine Gesellschaft verändert sich

Über viele Jahrzehnte konnte ich miterleben, wie sich unsere Gesellschaft weiterentwickelte. Wissenschaft und Medizin machten enorme Fortschritte. Umwelt- und Menschenrechtsfragen rückten stärker ins Bewusstsein. Alte gesellschaftliche Strukturen wurden hinterfragt. Menschen erhielten Freiheiten und Möglichkeiten, die für frühere Generationen keineswegs selbstverständlich gewesen waren.

Wir lernen. Wir entwickeln uns. Wir beginnen immer besser zu verstehen, welche Folgen unser Handeln für andere Menschen und für unsere Erde hat.

Kurz vor Corona begegnete mir in meinem Umfeld immer häufiger die Vorstellung, die Menschheit stehe vor einem weiteren Entwicklungsschritt. Wir verfügten über so viel Wissen und so viele Erfahrungen wie vermutlich keine Generation vor uns.

Und trotzdem fehlte etwas.

MEIN EIGENER WEG Suchen, erfahren, verstehen

Während ich die Entwicklung im Außen beobachtete, verlief mein eigenes Leben keineswegs geradlinig. Die selbstverständliche Verbundenheit meiner Kindheit ging irgendwann verloren. Es folgten viele Jahre der Suche, der Orientierungslosigkeit und auch gesundheitliche Rückschläge.

Gerade diese Erfahrungen zwangen mich immer wieder dazu, genauer hinzusehen: Was trägt einen Menschen wirklich? Warum verlieren wir manchmal den Kontakt zu uns selbst? Und wie viel können wir verändern, wenn wir beginnen, Verantwortung für unsere eigene Situation zu übernehmen?

Rückblickend wurde mir immer deutlicher, wie eng meine persönlichen Erfahrungen mit den Fragen zusammenhingen, die mich schon als Kind beschäftigt hatten. Die persönliche und die gesellschaftliche Frage begannen sich miteinander zu verbinden.

2019
2019 Das fehlende Puzzleteil

2019 begegneten mir durch Neale Donald Walsch vier Worte, die zunächst fast zu einfach wirkten:

VIER WORTE Wir sind alle eins.

Doch je länger ich mich damit beschäftigte, desto mehr veränderte sich mein Blick. Plötzlich verband sich vieles, was zuvor wie einzelne Puzzleteile nebeneinandergelegen hatte.

Wenn wir tatsächlich Teil eines miteinander verbundenen Ganzen sind, dann betrifft die Art, wie ich mit mir selbst umgehe, nicht nur mich. Wie wir anderen Menschen begegnen, wie wir wirtschaften, wie wir politische Entscheidungen treffen und wie wir mit Tieren, Natur und unseren Lebensgrundlagen umgehen, sind keine voneinander getrennten Fragen.

Für mich wurde daraus ein Ausgangspunkt, von dem aus sich viele Fragen meines Lebens und unserer gesellschaftlichen Entwicklung neu betrachten ließen.

2020
2020 BIS HEUTE Eine Welt im Widerspruch

Dann kam Corona. Und danach folgte eine Krise auf die nächste. Ich erlebte, wie schnell aus unterschiedlichen Sichtweisen Fronten entstehen konnten. Menschen suchten nach Schuldigen, gesellschaftliche Gruppen standen sich zunehmend unversöhnlich gegenüber und politische Auseinandersetzungen wurden härter.

Während für mich die Bedeutung von „Wir sind alle eins“ durch meine weiteren Lebenserfahrungen immer konkreter und praktischer wurde, schien sich unsere Gesellschaft in vielen Bereichen genau in die entgegengesetzte Richtung zu bewegen.

Wie konnte eine Gesellschaft, die in den vergangenen Jahrzehnten so viel gelernt, erreicht und verstanden hat, an diesen Punkt gelangen?

Für mich liegt ein wesentlicher Teil der Antwort darin, dass wir viele Probleme der Vergangenheit zwar erkannt haben, ihre tieferen Ursachen aber nicht überwunden haben. Noch immer suchen wir Ursachen und Verantwortliche bevorzugt im Außen – und übersehen dabei leicht, dass wir selbst Teil der Entwicklung sind, die wir kritisieren.

HEUTE Was daraus folgt

Ich bin als Sohn eines Politikers aufgewachsen und liebte es gleichzeitig, mitten unter den Menschen in unserem Dorf zu sein. Vielleicht hat mir gerade diese Erfahrung früh gezeigt, dass unsere Gesellschaft nicht einfach aus „denen da oben“ und „uns hier unten“ besteht.

Politik, Religion und Wirtschaft besitzen großen Einfluss. Gleichzeitig geben wir als Bürgerinnen und Bürger oft mehr Verantwortung an diese Institutionen ab, als uns bewusst ist. Dabei gestalten wir durch unsere täglichen Entscheidungen selbst mit, welche Entwicklung wir ermöglichen.

Nach fast sechs Jahrzehnten Lebenserfahrung komme ich deshalb immer wieder zu demselben Punkt zurück: Veränderung beginnt damit, dass wir unseren eigenen Anteil erkennen – und verstehen, welche Auswirkungen unser Handeln auf das Ganze hat.

Genau hier schließt sich für mich der Kreis zu dem Jungen, der einmal vor den Bildern in der Fernsehzeitschrift seiner Eltern saß und nicht verstehen konnte, warum es uns nicht gelingt, eine Welt zu schaffen, in der es allen gut gehen kann.

„Wir sind alle eins“ ist für mich der Ausgangspunkt dafür, unser Leben, unser Zusammenleben und unseren Umgang mit dieser Erde neu zu betrachten – und daraus zu handeln.
Markus Ruder
WOFÜR ICH HEUTE STEHE

Wir wissen so viel.
Entscheidend ist, was wir daraus machen.

Fast sechs Jahrzehnte Leben haben mir gezeigt, wie viel wir Menschen lernen, verändern und erreichen können. Sie haben mir aber auch gezeigt, wie schnell wir den Blick für das Ganze verlieren, wenn Angst, Interessen und Trennung unser Denken bestimmen.

Für mich führt deshalb vieles zu einer einfachen Frage zurück:

Was verändert sich, wenn wir unser Leben und unsere Entscheidungen von der Erkenntnis aus betrachten, dass wir alle Teil eines miteinander verbundenen Ganzen sind?

Genau darüber möchte ich sprechen. Nicht nur als eine Idee, sondern anhand dessen, was wir als Gesellschaft erlebt haben, was ich selbst erfahren habe – und was daraus für unser Leben heute folgen kann.

Wir sind alle eins.
Vier Worte. Und für mich ein Ausgangspunkt, der alles verändert.